Farben, Handwerk und Geschichte
Die lange Reise einer Farbe
Von kostbaren Steinen und Pflanzenfarben bis zum Leuchten auf deinem Bildschirm
Ein tiefes Blau lässt sich heute mit einem Klick auswählen. Ein Stück Stoff in kräftigem Magenta ist leicht zu finden. Gold begegnet uns auf Verpackungen, in Schmuck und als Farbfläche auf dem Handy.
Was so selbstverständlich erscheint, war lange mit aufwendiger Arbeit verbunden. Menschen suchten nach geeigneten Materialien, entwickelten Verfahren und transportierten Farbstoffe über große Entfernungen. Manche Farben wurden dadurch zu Zeichen von Reichtum, Macht oder religiöser Bedeutung.
Wer ihre Geschichten kennt, schaut vielleicht genauer hin: auf das Blau eines Gemäldes, einen schimmernden Goldgrund oder die Farbkombination einer Aura-Soma Equilibrium-Flasche.
Bevor eine Farbe zur Farbnummer wurde
Früher begann die Herstellung einer Farbe häufig mit einem Material: einer Erde, einem Mineral, einer Wurzel oder einem tierischen Rohstoff. Daraus einen brauchbaren Farbton zu gewinnen, erforderte Wissen und Erfahrung.
Dabei sind Pigmente und Farbstoffe zu unterscheiden. Pigmente sind im verwendeten Medium weitgehend unlösliche Farbteilchen, die beispielsweise mit einem Bindemittel zu Malfarbe verarbeitet werden. Farbstoffe können sich im geeigneten Medium lösen und werden unter anderem zum Färben von Textilien eingesetzt.
Auch Pflanzen lieferten wichtige Ausgangsstoffe. Krapp und Indigo gehören zu den bekannten Namen der Färbereigeschichte. Das Ergebnis hing jedoch nicht nur von der Pflanze ab: Material, Vorbereitung und Verarbeitung bestimmten mit, welcher Farbton entstand.
Die Geschichte einer Farbe ist deshalb immer auch eine Geschichte des Handwerks.
Ein Stein wird zur Malfarbe
Ultramarin: Blau aus der Ferne
Die Reise dieses Blaus beginnt mit Lapislazuli. Bedeutende historische Vorkommen liegen im heutigen Afghanistan. Aus dem Gestein wurde durch aufwendige Verarbeitung das Pigment gewonnen, das wir als natürliches Ultramarin kennen.
Der Name verweist auf seine Herkunft aus europäischer Sicht: auf das Material von jenseits des Meeres. Für die Malerei war dieses leuchtende Blau kostbar. Es begegnet uns beispielsweise in den Gewändern Marias auf europäischen Gemälden.
Im 19. Jahrhundert gelang die Herstellung von synthetischem Ultramarin. Damit wurde ein vergleichbares Blau wesentlich günstiger verfügbar. Eine Farbe, deren Verwendung zuvor eine beträchtliche Ausgabe bedeuten konnte, erreichte eine größere Zahl von Werkstätten und Künstlerinnen und Künstlern.
Ein Blau kann also mehr erzählen als „Himmel“ oder „Meer“: Es trägt auch Geschichten von Bergbau, Handel, handwerklichem Können und chemischer Forschung in sich.
Farbe als Zeichen von Rang
Purpur: Der aufwendige Weg zum gefärbten Stoff
Der berühmte antike Schneckenpurpur wurde aus Meeresschnecken gewonnen. Seine Herstellung war aufwendig, und der Farbstoff wurde zu einem geschätzten Luxusgut. Purpurfarbene Textilien konnten damit auch Rang und Ansehen ausdrücken.
„Purpur“ bezeichnet dabei keine einzige, überall identische Nuance. Ausgangsmaterial und Verarbeitung konnten unterschiedliche Farbtöne hervorbringen. Ebenso wurde nicht jede historische purpurfarbene Fläche mit Schneckenpurpur hergestellt.
Ein aufschlussreiches Beispiel findet sich in mittelalterlichen Handschriften: Kostbares purpurgefärbtes Pergament war ein Vorbild, doch für einen ähnlichen Farbeindruck konnten auch andere Materialien verwendet werden. Das Fitzwilliam Museum beschreibt etwa einen Handschriftenhintergrund, dessen Purpur wahrscheinlich aus Flechten gewonnen wurde.
Die Geschichte zeigt, wie eng Farbe und gesellschaftliche Bedeutung verbunden sein können. Manchmal wurde nicht nur ein Farbton nachgebildet, sondern auch die Vorstellung von Kostbarkeit, die mit ihm verbunden war.
Wenn die Oberfläche das Licht verändert
Gold: Mehr als ein gelber Farbton
Bei Gold lohnt es sich, zwischen Material und Farbe zu unterscheiden. Ein goldfarbener Druck, eine gelbliche Bildschirmfläche und echtes Blattgold können ähnlich benannt werden. Beim Betrachten sind sie jedoch sehr verschieden.
In der Buchmalerei wurde hauchdünnes Gold auf Seiten aufgebracht. Es reflektiert das Licht und kann beim Umblättern oder bei einer Veränderung des Blickwinkels aufleuchten. Sein Erscheinungsbild entsteht deshalb nicht allein durch einen Farbton, sondern auch durch die metallische Oberfläche.
Gold begegnet uns in religiöser Kunst ebenso wie in kostbaren Gebrauchsgegenständen. Seine Materialeigenschaften und sein Wert trugen zu den Bedeutungen bei, die Menschen damit verbanden.
Auf dem Bildschirm wird der Eindruck von Gold häufig durch Helligkeitsunterschiede und Verläufe angenähert. Den wirklichen metallischen Glanz kann eine einfache Farbfläche nicht wiedergeben. Gerade hier wird sichtbar, wie viel beim Betrachten über die reine Farbbezeichnung hinausgeht.
Stein, Schmuck und Farbbegriff
Türkis: Zwischen Blau und Grün
Heute denken viele Menschen bei Türkis an Wasser oder eine Farbe zwischen Blau und Grün. Der Name bezeichnet zugleich einen Mineralstein, der bereits im alten Ägypten verarbeitet wurde.
Historische Abbaustätten lagen unter anderem auf der Sinai-Halbinsel. Aus dem Material entstanden kleine Objekte, Perlen, Amulette und Einlagen für Schmuck. Trotz seiner engen Verbindung mit ägyptischer Kunst war echter Türkis dort ein vergleichsweise seltenes Material.
Auch hier ist genaues Hinsehen wichtig: Ein blaugrünes historisches Objekt muss nicht aus Türkis bestehen. Andere Materialien können einen ähnlichen Eindruck erzeugen. Museumsforschung hat deshalb manche ältere Materialbestimmung korrigiert.
Wenn wir heute „Türkis“ sagen, kann damit ein Stein, eine Textilfarbe oder eine leuchtende Displayfläche gemeint sein. Der gemeinsame Name verbindet unterschiedliche Materialien, ohne sie gleichzusetzen.
Ein Farbstoff aus dem Labor
Magenta: Eine Farbe mit einer überraschenden Namensgeschichte
Im 19. Jahrhundert veränderten synthetische Farbstoffe die Welt der Textilien. Zu ihnen gehörte Fuchsin, das unter anderem unter dem Namen Magenta bekannt wurde.
Der Name erinnert an die Schlacht von Magenta im Jahr 1859. Ein Farbwort, das heute auf Druckerpatronen und in Gestaltungsprogrammen steht, ist damit auch mit einem historischen Kriegsschauplatz verbunden.
Im modernen Vierfarbdruck gehört Magenta neben Cyan, Gelb und Schwarz zu den Grundfarben des CMYK-Systems. Durch ihr Zusammenspiel lassen sich zahlreiche Farbeindrücke erzeugen.
Das historische Fuchsin und die heutigen Druckfarben sind dabei nicht einfach derselbe Stoff. Farbnamen können weiterleben, während sich die Materialien und Verfahren verändern.
Magenta erzählt deshalb besonders deutlich von der Verbindung zwischen Chemie, Industrie, Sprache und Gestaltung.
Vom Material zum Bildschirm
Auf einem Bildschirm entstehen Farben durch Licht. Im Druck sehen wir dagegen Farbe auf einem Material, das beleuchtet wird. Digitale Gestaltung arbeitet deshalb häufig mit RGB, der Druck mit CMYK.
Ein kräftiger Farbton auf dem Display lässt sich nicht immer unverändert auf Papier wiedergeben. Hinzu kommen das verwendete Papier, die Druckfarben und die Einstellungen des Bildschirms.
Heute können wir Farben sehr genau benennen und technisch beschreiben. Trotzdem bleibt ihr Erscheinungsbild an Licht, Oberfläche und Umgebung gebunden. Eine Farbnummer erzählt uns nicht alles darüber, wie wir die Farbe tatsächlich sehen.
Farben heute betrachten
Was diese Geschichten mit Aura-Soma verbindet
Auch bei Aura-Soma begegnen uns Farbnamen wie Gold, Türkis oder Magenta. Die Geschichte dieser Farben kann unsere Aufmerksamkeit für Nuancen, Materialien und persönliche Assoziationen bereichern.
Die historischen Herstellungsverfahren sagen jedoch nichts über die Rezeptur einer Equilibrium-Flasche aus. Welche Inhaltsstoffe ein Produkt enthält, findest du in seiner jeweiligen Produktbeschreibung und Zutatenliste.
Für deine Farbenwahl kannst du die Geschichten als zusätzlichen Blickwinkel nutzen: Vielleicht interessiert dich das Blau nun wegen seiner langen Reise. Vielleicht fällt dir bei Gold zuerst das Licht auf. Oder du bemerkst, wie unterschiedlich Türkis auf Stoff, Stein und Glas aussieht.
Drei kleine Entdeckungen für deinen Alltag
Eine Farbe, drei Materialien
Suche einen ähnlichen Farbton auf Papier, Stoff und Glas. Schau darauf, wie matt, glänzend oder lichtdurchlässig die Oberflächen sind. Was verändert sich am Farbeindruck?
Dieselbe Farbe in anderem Licht
Betrachte einen farbigen Gegenstand bei Tageslicht und unter einer Raumleuchte. Achte auf Nuancen, ohne eine der Darstellungen automatisch als die richtige festzulegen.
Deine eigene Farbgeschichte
Wähle eine Farbe und notiere eine Erinnerung dazu: einen Ort, ein Kleidungsstück oder eine Begegnung. Neben der Kulturgeschichte hat jede Farbe auch ihre persönliche Geschichte.
Mit anderen Augen auf vertraute Farben schauen
Ein Farbton kann durch viele Hände gegangen sein, bevor er Teil eines Bildes oder eines Stoffes wurde. Hinter seiner Herstellung stehen Kenntnisse, Arbeit und Entscheidungen. Hinter seinem Namen können Landschaften, Handelswege und historische Ereignisse liegen.
Diese Geschichten legen nicht fest, was eine Farbe für dich bedeuten muss. Sie öffnen weitere Möglichkeiten, sie zu betrachten.
Vielleicht bleibt Blau für dich die Farbe eines bestimmten Sees. Vielleicht erinnert dich Gold an ein altes Buch. Deine eigene Verbindung darf neben dem historischen Wissen bestehen.
Deine Begegnung mit Farben
Welche Kombination möchtest du genauer anschauen?
In unserer Vier-Flaschen-Wahl kannst du die Aura-Soma Farbkombinationen zunächst nach deinem persönlichen Eindruck auswählen. Die Geschichten der Farben dürfen dabei im Hintergrund bleiben. Dein Blick entscheidet.
Zur Vier-Flaschen-WahlViel Freude beim Entdecken der Farbenwelt
Deine Barbara Heider-Rauter
Quellen und weitere Entdeckungen zur Farbgeschichte
- National Gallery: Die Geschichte des Ultramarinblaus
- Fitzwilliam Museum: Purpur in einer mittelalterlichen Handschrift
- Getty Museum: Materialien und Gold in der Buchmalerei
- Metropolitan Museum of Art: Türkis im alten Ägypten
- Royal Society of Chemistry: Die Geschichte von Magenta
- Adobe: Farben für Bildschirm und Druck